„Backups, Backups, Backups“
Auf dem CYBERsicher Zukunftstag der Transferstelle Cybersicherheit im Mittelstand am 11. Juni 2026 in Berlin wurde wieder deutlich: Cybersicherheit hört bei sicheren Passwörtern im Unternehmen nicht auf. Vielmehr sind vor dem Hintergrund der steigenden Zahl von Cyberattacken auch kleine und mittlere Unternehmen aufgefordert, ihre IT resilient aufzustellen. Dabei geht es nicht nur um Technik, sondern um eine strategische Unabhängigkeit, wie der Sicherheitsexperte Manuel „HonkeHase“ Atug (HiSolutions AG) in seiner Keynote ausführte. Als entscheidende Faktoren für eine selbstbestimmte IT führte er u. a. freie und offene Standards, Open Source, Modularität und Kostensouveränität auf. Gleichzeitig betonte er die wichtige Rolle von Backups und den Test von Backup-Wiederherstellungen. Wer Opfer eines Cyberangriffs wurde, spüre die Konsequenzen eines Cyberangriffs für Wochen oder sogar Monate.
Das die Bedrohungslage weiter ernst ist, darauf ging auch Gesa Förster, Referatsleiterin Mittelstand-Digital beim Bundeswirtschaftsministerium, mit deutlichen Zahlen in ihrer Begrüßung ein. 334 Tsd. registrierte Fälle verursachen einen jährlichen Schaden von 2,24 Mrd. Euro (detaillierte Daten im BSI-Bericht "IT-Sicherheitslage in Deutschland 2025"). Cybersicherheit müsse von KMU als Daueraufgabe verstanden werden. Mit den Angeboten der Transferstelle Cybersicherheit im Mittelstand und weiteren Formaten aus den Mittelstand-Digital Zentren stehe für Startups, Handwerksbetriebe oder Kleinstunternehmen ein solides Angebot zur Verfügung.
Auf noch mehr Unterstützung im Kampf gegen Cyberkriminalität machte Luise Kranich vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) Hoffnung und verwies auf den Beschluss des Nationalen Sicherheitsrat der Bundesregierung, ein neues Sicherheitsinstituts für Künstliche Intelligenz einzurichten. Chancen und Risiken von KI sollen durch einen frühen Zugriff auf neue Modelle künftig besser eingeschätzt und einheitliche Standards im Umgang mit KI mit internationalen Partnern gesetzt werden können. In ihrer Keynote ging sie darauf ein, wie Künstliche Intelligenz genutzt werden kann, um Schwachstellen in Software und IT-Systemen zu finden („AI for Cyber“) und sprach sich für eine durchdachte Sicherheitsarchitektur aus.
Konkrete Handlungsanweisungen, Best Practice-Beispiele und viel Zeit für Fragen und Diskussionen gab es auf dem CYBERsicher Zukunftstag zudem in fünf Breakout- Sessions mit Vorträgen zu aktuellen Regulatorien wie dem AI Act, der NIS2-Richtlinie und dem Cyber Resilience Act sowie zu KI-Trends und dem Thema Digitale Souveränität.
Wie Unternehmen ihre digitale Souveränität konkret verbessern können, erläuterten zum Beispiel Pavlo Mykytyn und Martin Choitz vom Mittelstand-Digital Zentrum Spreeland. Sie gingen in ihrem Vortrag auf typische Abhängigkeitsstrukturen und deren sicherheitsrelevanten Auswirkungen ein. Die Ermittlung kritischer Pfade stand im Mittelpunkt der Session. Diese dienen als Grundlage für die selbstbestimmte Organisation von Betriebsabläufen und Datenkontrolle in KMU. Anhand eines Praxisbeispiels wurde gezeigt, wie Open Source als eine Möglichkeit dazu dienen kann, eine transparente IT-Infrastruktur aufzubauen und damit die digitale Selbstbestimmung zu fördern.
Wie Künstliche Intelligenz für KMU zwar neue Geschäftspotenziale eröffnen kann, zugleich aber die Cyberbedrohungslage verändert und somit Unternehmen vor strategische Fragen stellt, darauf ging Lucy Czachowski (bitkom) in der Session zu KI-Trends ein. Sie warf einen Blick auf das unterschätzte Risiko „Schatten-KI“ und stellte Gegenmaßnahmen vor, damit Mitarbeitende künftig KI-Tools nicht mehr ohne Wissen bzw. Freigabe der IT-Abteilung nutzen. Anhand einer 12-Monats-Roadmap zeigte sie zudem konkrete Schritte auf, wie mittelständische Unternehmen KI sicher einsetzen können. Zu den Sofortmaßnahmen zählen etwa die Anlage eines KI-Inventars, um zu wissen, welche KI-Tools im Unternehmen genutzt werden, oder die Erstellung und Kommunikation einer KI-Nutzungsrichtlinie. Als kurzfristige Schritte empfiehlt sie, Mitarbeitende zu schulen sowie Model Cards für genutzte KI-Modelle anzulegen. Langfristig müsse sichergestellt werden, an welchem bestimmten Punkt im KI-Workflow Menschen in das automatisierte System eingreifen, um z. B. eine ethisch fundierte Entscheidungsfindung zu gewährleisten.
Die jährliche Fachkonferenz der Transferstelle Cybersicherheit im Mittelstand für IT-Dienstleister und die Cybersicherheitscommunity fand zum dritten Mal in Berlin statt und soll 2027 fortgeführt werden.
Mehr Informationen zum Angebot der CYBERsicher Transferstelle Cybersicherheit im Mittelstand finden Sie hier.