Digitale Assistenz in der Konfektion
Beim Einarbeiten neuer Mitarbeitender an Näharbeitsplätzen kommt es immer wieder zu Unsicherheiten – besonders dann, wenn Arbeitsschritte komplex sind. Das betrifft zum Beispiel das Einziehen des Garns, das exakte Positionieren mehrlagiger Textilien oder die richtige Abfolge einzelner Montageschritte. Gerade in der Konfektion, in der viele Prozesse weiterhin stark von der Erfahrung der Mitarbeiter abhängen, gewinnt digitale Unterstützung an Bedeutung. Sie kann dazu beitragen, Wissen besser zu vermitteln, Anlernzeiten zu verkürzen und die Qualität nachhaltig zu sichern.
Die Sight Proc GmbH entwickelt zum Beispiel kamerabasierte Assistenzsysteme, die Informationen direkt in das Sichtfeld von Mitarbeitern projizieren und so Arbeitsprozesse intuitiv unterstützen. Das Unternehmen möchte die Technologie erstmals gezielt auf Konfektionsprozesse in der Textilindustrie übertragen und auch die daraus entstehenden Potenziale am Beispiel eines Näharbeitsplatzes praxisnah untersuchen.
Gemeinsam mit dem Sächsischen Textilforschungsinstitut (STFI) wurde daher ein prototypischer Näharbeitsplatz aufgebaut und mit einer Sichtfeldprojektion ausgestattet. Die Forschungseinrichtung analysierte im Projekt geeignete Prozesse und wählte den Vorgang des Garneinziehens, um auf ersten Tests aufbauend einen initialen Workflow zu konzipieren. Ergänzt durch weitere Anwendungen ist das die Basis für ein vollständiges Assistenzsystem.
Der Nutzer soll dabei durch den gesamten Konfektionsprozess geführt werden – von der Materialentnahme über das korrekte Positionieren der Stofflagen bis hin zum Vernähen. Ergänzende Hinweise unterstützen bei kritischen Arbeitsschritten und machen Qualitätsanforderungen unmittelbar sichtbar. Den Abschluss bildet eine kameragestützte Qualitätskontrolle, bei der Nähte automatisiert geprüft werden. Zusätzlich wurde ein weiterer Workflow erarbeitet, der das Bestücken eines Ladesystems für Ortungstags strukturiert anleitet.
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Die Projektergebnisse zeigen deutlich, dass Mitarbeiter mit Hilfe von Sichtfeldprojektionen nicht nur schneller angelernt werden, sondern gleichzeitig Fehlerquoten und Ausschuss reduzieren. Sie eröffnen gleichzeitig neue Möglichkeiten für die Integration von Menschen mit Unterstützungsbedarf in Produktionsprozesse und leisten damit neben ökologischen auch einen wichtigen Beitrag zur sozialen Nachhaltigkeit. Aufgrund der strukturellen Ähnlichkeit lassen sich die entwickelten Ansätze zudem auf zahlreiche manuelle Fügeprozesse mit flexiblen Materialien übertragen.
Im Anschluss an das Projekt plant das mittelständische Unternehmen, die Workflows insbesondere für Behindertenwerkstätten weiterzuentwickeln, um sie dort vorzustellen. Hierfür werden ergänzende Demonstrationsmaterialien wie zum Beispiel Videos erstellt. Die Forschungseinrichtung stellt den entstandenen Prototyp interessierten Unternehmen zu Testzwecken zur Verfügung, um die Übertragbarkeit auf weitere Anwendungsfälle zu prüfen und die Technologie weiter in die Praxis zu bringen.
Möchten auch Sie Ihre Produktionsprozesse digital weiterentwickeln? Sprechen Sie uns gern an: kontakt@mdz-sk.de.
Treffen Sie uns vor Ort
Dieses und weitere Anwendungsprojekte stellen wir vom 21. bis 24. April auf der Messe Techtextil in Frankfurt am Main vor. Treffen Sie uns an unserem Stand F34 in Halle 12.1 und erfahren Sie mehr zu unseren Anwendungsprojekten, Demonstratoren und Veranstaltungen. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!