Digitale Souveränität: Warum sie für KMU immer wichtiger wird
Viele kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sind heute Teil vernetzter Wertschöpfungsketten. Sie tauschen Daten mit Kunden, Lieferanten und weiteren Partnern aus und nutzen dafür unterschiedliche digitale Plattformen und Anwendungen. Umso wichtiger wird die Frage, wie selbstbestimmt Mittelständler, Handwerksbetriebe oder Startups über ihre Daten und die verwendeten Technologien entscheiden können. Eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt: Digitale Souveränität wird für KMU zu einem wichtigen Wettbewerbsfaktor. Gleichzeitig stehen viele Unternehmen bei der Umsetzung noch am Anfang.
Die Studie, die im Rahmen der Begleitforschung des Förderschwerpunkts Mittelstand-Digital des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) und in Zusammenarbeit mit der Ramboll Management Consulting GmbH erstellt wurde, macht deutlich: Digitale Souveränität ist keine reine IT-Frage. Sie ist eine strategische Managemententscheidung. Unternehmen, die ihre digitale Infrastruktur bewusst gestalten, gewinnen mehr Kontrolle über ihre Geschäftsprozesse. Außerdem können sie Risiken besser steuern und ihre Verhandlungsposition stärken.
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Neben einer Begriffsbestimmung und den Entwicklungen, die digitale Souveränität für KMU relevant machen, stellt die Studie verfügbare Alternativen vor und analysiert deren Voraussetzungen und Wirtschaftlichkeit. Dazu gehören zum Beispiel Open-Source-Lösungen. Für Unternehmen können sich der Einsatz von Open-Source-Lösungen durch den Wegfall von Lizenzkosten nicht nur finanziell lohnen. Auch die geringeren Anforderungen an die Hardware wirken sich positiv auf die Kostenstruktur aus, da vorhandene Geräte länger genutzt werden können. Die Studie geht auch auf europäische Infrastrukturinitiativen ein, wie z. B. den Deutschland-Stack und den EuroStack. Beide verfolgen das Ziel, Abhängigkeiten von außereuropäischen Anbietern zu verringern und souveräne Alternativen für Verwaltung und Wirtschaft bereitzustellen. Dies kann helfen, Abhängigkeiten zu reduzieren und die Datenkontrolle für das eigene Unternehmen zu verbessern.
Die Umstellung auf solche Lösungen ist grundsätzlich möglich, erfordert aber eine gute Planung. Fachkräfte, technische Kompatibilität und der Aufwand für die Integration spielen dabei eine wichtige Rolle. Besonders interessant ist der Blick auf die Kosten. Die Studie empfiehlt, nicht nur die Anschaffungskosten zu betrachten. Entscheidend sind die gesamten Kosten über den Lebenszyklus einer Lösung hinweg – also auch Betrieb, Wartung, Wechselaufwand und mögliche Abhängigkeiten. Diese sogenannte Total-Cost-of-Ownership-Betrachtung kann zu anderen Entscheidungen führen als ein reiner Preisvergleich.
Die Studie untersucht die Frage, welche Orientierungshilfen KMU benötigen, um sich digital souverän aufzustellen, und leitet neun zentrale Orientierungsfelder und Fragestellungen ab:
- Transparenz über Abhängigkeiten und Risiken / Welche Risiken entstehen durch meine Anbieter- und Technologiewahl?
- Anbieter- und Technologiewahl / Welche Kriterien sind für souveräne Technologien relevant?
- Datenschutz und Datenlokalisierung / Wo liegen meine Daten, wie sicher sind sie, wer hat Zugriff darauf?
- Interoperabilität und Schnittstellen / Inwiefern lässt sich die Lösung später wechseln oder erweitern?
- Regulatorische Orientierung / welche gesetzlichen Vorgaben gelten für mein Unternehmen?
- Wirtschaftliche Bewertung / Lohnt sich die Investition mittel- bis langfristig?
- Digitale Kompetenzen / Welche Fähigkeiten benötigt mein Team?
- Sicherheitsanforderungen / Wie schütze ich mein Unternehmen vor Cyberrisiken?
- Datenstrategische Orientierung / Wie kann ich Daten souverän nutzen und teilen?
Breites Unterstützungsangebot für den Mittelstand
Neben der finanziellen Komponente ist für Unternehmen Orientierung und praxisnahe Unterstützung wichtig. Hier können mittelständische Unternehmen auf ein breites Angebotsspektrum der Mittelstand-Digital Zentren zurückgreifen, etwa in den Bereichen Sicherheitsanforderungen und Digitale Kompetenzen. Mit Checklisten, Quick-Checks und Leitfäden erhalten kleine und mittlere Unternehmen so einen schnellen und kostenfreien Überblick über digitale Abhängigkeiten und können in Zusammenarbeit mit den Zentren wirtschaftliche Auswirkungen verschiedener Lösungen für ihr Unternehmen besser bewerten.
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Das Sächsische Textilforschungsinstitut STFI, ein Partner des Mittelstand-Digital Zentrums Smarte Kreisläufe, bietet für Unternehmen verschiedene Webinare zum Thema Open-Source-Software an. Bei Fragen wenden Sie sich gern an uns: kontakt@mdz-sk.de.