Flexible Materialien automatisiert greifen – bald möglich?
Insbesondere wenn flexible, empfindliche Materialien gehandhabt werden müssen, prägen manuelle Tätigkeiten industrielle Prozesse noch häufig. Textile Produkte greifen, vereinzeln und exakt ablegen erfordert hohe Präzision und stabile Abläufe. Vor dem Hintergrund steigender Qualitätsansprüche, wachsender Variantenvielfalt und zunehmenden Fachkräftemangels gewinnen automatisierte Lösungen an Bedeutung. Sie steigern nicht nur die Effizienz, sondern sorgen zugleich für ressourcenschonende und verlässliche Prozessketten.
Die Textilausrüstung Pfand GmbH mit Sitz in Lengenfeld möchte das Handling gestickter Fensterbilder im Veredlungsprozess automatisieren. Dabei stellte sich die zentrale Frage, wie sich textile Halbzeuge materialsensibel und prozesssicher greifen, vereinzeln und für weitere Verarbeitungsschritte bereitstellen lassen. In einem Projekt des Mittelstand-Digital Zentrum Smarte Kreisläufe untersuchte und bewertete dessen Partner, das Sächsische Textilforschungsinstitut (STFI) den Greifprozess systematisch.
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Gemeinsam mit einem Greiferhersteller testete das Projektteam verschiedene Greifer und Greifprinzipien. Es erprobte Strömungs-, Nadel- sowie Fingergreifer unter realitätsnahen Bedingungen. Dabei prüfte es insbesondere, wie zuverlässig sich die Textilien vereinzeln lassen, wie schonend sie gehandhabt werden können und wie reproduzierbar die Ablage gelingt. Nicht jedes Greifprinzip positioniert flexible, leichte Textilien gleichermaßen präzise. Gleichzeitig konkretisierte das Team die Anforderungen an Sensorik und Erkennung, etwa um Vorder- und Rückseite sicher zu unterscheiden.
Als besonders vielversprechend erwies sich der 2-Fingergreifer. Er besteht aus flexiblem Kunststoff und lässt sich pneumatisch öffnen und schließen. Mit ihm kann das System das Material flach zusammenschieben und sicher greifen. Die Fensterbilder lassen sich so gezielt positionieren und drapieren.
Aus dem Projekt ging ein Konzept hervor, das technische Anforderungen und geeignete Greifprinzipien empfiehlt. Diese Erkenntnisse bilden eine Basis für das weitere Vorgehen. Das KMU kann nun fundiert über weitere Investitionen entscheiden. Perspektivisch entlastet die angestrebte Automatisierung das Personal deutlich und stabilisiert die Prozessabläufe nachhaltig.
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Neben Effizienzgewinnen unterstützt das Vorhaben auch Nachhaltigkeitsziele: Die Automatisierung verringert ermüdende repetitive Aufgaben. Die Mitarbeiter können sich auf andere Arbeitsaufgaben fokussieren. Eine gezielte Automatisierung nutzt Ressourcen effizienter und stärkt die Wettbewerbsfähigkeit des KMU. Zudem lassen sich die gewonnenen Erkenntnisse auf weitere Anwendungen in der Textilkonfektion übertragen, in denen Unternehmen flexible Materialien automatisiert handhaben.
Den Projektflyer zum Nachlesen finden Sie hier.
Das Mittelstand-Digital Zentrum Smarte Kreisläufe unterstützt gern auch Sie dabei, Digitalisierungs- und Automatisierungsvorhaben praxisnah umzusetzen. Sind Sie interessiert? Schreiben Sie uns an kontakt@mdz-sk.de.
Treffen Sie uns vor Ort
Dieses und weitere Anwendungsprojekte stellen wir vom 21. bis 24. April auf der Messe Techtextil in Frankfurt am Main vor. Treffen Sie uns an unserem Stand F34 in Halle 12.1 und erfahren Sie mehr zu unseren Anwendungsprojekten, Demonstratoren und Veranstaltungen. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!