Low Code: Ein Schlüssel zur digitalen Souveränität im Mittelstand
Die digitale Transformation stellt kleine und mittlere Unternehmen (KMU) vor eine doppelte Herausforderung: Einerseits müssen Prozesse digitalisiert und neue Geschäftsmodelle erschlossen werden. Andererseits fehlen häufig die personellen und finanziellen Ressourcen, um individuelle Softwarelösungen zu entwickeln oder externe Dienstleister dauerhaft zu beauftragen. Low-Code-Plattformen können hier einen wichtigen Beitrag leisten – nicht nur zur Digitalisierung, sondern auch zur digitalen Souveränität von Unternehmen. Denn so viel steht fest: Excel ist toll, stößt bei Produktionsdigitalisierung aber an seine Grenzen.
Was bedeutet Low Code?
Low Code bezeichnet Entwicklungsplattformen, mit denen Anwendungen über grafische Benutzeroberflächen, vorgefertigte Bausteine und Konfigurationswerkzeuge erstellt werden können. Beispielhaft genannt seien hier SeaTable, Make.com, n8n oder Node-RED. Sie bieten strukturiertere und sicherere Alternativen, mit denen sich Daten verwalten, Prozesse automatisieren und Systeme verbinden lassen. Programmierkenntnisse sind zwar weiterhin hilfreich, viele Anwendungen lassen sich jedoch mit deutlich geringerem Entwicklungsaufwand realisieren als bei klassischer Softwareentwicklung. Dadurch können Fachabteilungen aktiv an der Gestaltung digitaler Lösungen mitwirken und Prozesse eigenständig digitalisieren.
Angebote aus dem Netzwerk Mittelstand-Digital zu Low Code
Im Rahmen der Low Code/ No Code Reihe des Mittelstand-Digital Zentrums Magdeburg wurde wieder deutlich, wie schnell und unkompliziert auch ohne Vorkenntnisse vielfältige Anwendungen zum Beispiel für die Fertigung realisierbar sind. Hierzu zählen etwa Anwendungen zur Systemvernetzung, zu Retrofit, zu Assistenzsysteme oder zur Auftragsverfolgung.
Im Webinar „Von Rohdaten zum Maschinendashboard mittels grafischer Programmierelemente“, das Teil der Magdeburger Veranstaltungsreihe war, konnten Teilnehmende erfahren, wie man mittels grafischer Programmierelemente ganze Anwendungen entwerfen kann. Referent Andreas Böhm, vom Sächsischen Textilforschungsinstitut (STFI) aus Chemnitz, ein Partner des Mittelstand-Digital Zentrums Smarte Kreisläufe, zeigte, wie mittels dem Open Source Low Code Tool Node-RED gearbeitet werden kann.
Im Rahmen des Workshops ging der Referent auf verschiedene grundlegende IT-Themen ein, die benötigt werden, wenn man mit grafischen Programmiertools Web-Apps oder vernetzte Anwendungen aufbauen möchte. So wurden Themen wie Datenbanken, HTML und Webdienste thematisiert und auf frei verfügbare Internetquellen hingewiesen, wo man sich weiter in die Themen einarbeiten kann.
>>> Tipp: Wer nicht am Webinar im Mai teilnehmen konnte, kann das Video-Tutorial für Node-RED des STFI zur ersten und weiteren Einarbeitung nutzen. Hier geht’s zu YouTube-Video-Playlist. In dieser Playlist werden folgenden Themen adressiert:
- Aufzeigen von Node-RED-Use-Cases aus der STFI-Modellfabrik
- Vorbereitende Arbeiten: Aktivierung von Node-RED auf einem Edge-Gateway und Installation von Node-RED auf einem Windowssystem
- Visualisierung von Prozessdaten und Erstellung einer interaktiven Benutzeroberfläche
- Einbindung von Maschinendaten über etablierte Standards wie OPC UA und MQTT
- Filterung von Prozessdaten und Speicherung dieser in einer Zeitreihendatenbank
- Abrufen von Strompreisen von einem Webdienst
Mehr Unabhängigkeit durch eigene Gestaltungskompetenz
Digitale Souveränität bedeutet, digitale Technologien selbstbestimmt und kompetent nutzen zu können. Unternehmen sollen in der Lage sein, ihre Daten, Prozesse und digitalen Werkzeuge eigenständig zu kontrollieren und weiterzuentwickeln. Genau hier setzen Low-Code-Lösungen an. Sie ermöglichen es Unternehmen,
- digitale Anwendungen selbst zu erstellen oder anzupassen,
- Fachwissen aus den eigenen Abteilungen direkt in Softwarelösungen zu überführen,
- die Abhängigkeit von externen Entwicklungsdienstleistern zu reduzieren,
- schneller auf neue Anforderungen zu reagieren und
- Innovationsprozesse zu beschleunigen.
>>> Lesen Sie auch: IIoT-Gateways mit Standard-Anwendungen individuell nutzen
Anstatt auf lange Entwicklungszyklen zu warten, können Mitarbeitende neue Ideen direkt testen und in Pilotanwendungen umsetzen. Dieses sogenannte „Citizen Development“ stärkt die Innovationsfähigkeit und fördert den Aufbau digitaler Kompetenzen innerhalb des Unternehmens.
Digitale Souveränität braucht die richtige Strategie
Low Code allein garantiert jedoch noch keine digitale Souveränität. Unternehmen sollten bei der Auswahl von Plattformen auf offene Schnittstellen, transparente Datenhaltung und die Möglichkeit zum Export von Anwendungen und Daten achten. Nur so lässt sich vermeiden, dass neue Abhängigkeiten von einzelnen Anbietern entstehen. Besonders interessant sind deshalb Low-Code-Lösungen, die auf offenen Standards basieren oder sich in bestehende IT-Landschaften integrieren lassen.
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