Vom Datensilo zur intelligenten Produktion
Viele Daten sind vorhanden - doch ihr Potenzial lässt sich erst dann ausschöpfen, wenn sie durchgängig verfügbar und miteinander verknüpft sind. Häufig liegen diese jedoch in unterschiedlichen Systemen, werden nicht durchgängig genutzt oder einzelne Abläufe erfolgen weiterhin manuell und papiergestützt. Damit fehlen oft genau die Transparenz und Datenbasis, die für weitere Digitalisierungsschritte und einen sinnvollen Einsatz von Künstlicher Intelligenz notwendig sind.
Vor dieser Herausforderung steht auch die Halbmond Teppichwerke GmbH aus Oelsnitz im Vogtland. Das Unternehmen produziert textile Bodenbeläge und beschäftigt rund 140 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Im neuen Anwendungsprojekt mit dem Sächsischen Textilforschungsinstitute. V. (STFI), Partner im Mittelstand-Digital Zentrum Smarte Kreisläufe, soll eine Roadmap entstehen, die zeigt, wie die Produktion schrittweise weiter digitalisiert und für KI-Anwendungen vorbereitet werden kann.
Obwohl im Unternehmen bereits umfangreiche Daten anfallen, werden einzelne Abläufe noch manuell oder papiergestützt durchgeführt. Zudem erschweren Insellösungen einen durchgängigen Blick auf Prozesse, Maschinenzustände und Qualitätsparameter. Besonders im Druckbereich besteht Potenzial, relevante Parameter besser zu überwachen, Fehler frühzeitig zu erkennen und das Team digital zu unterstützen.
Ein wesentlicher Grund dafür liegt in der bisherigen Entwicklung der IT-Landschaft: In der Vergangenheit wurden vor allem Brückenlösungen umgesetzt, um akute Probleme zu beheben. Eine ganzheitliche Digitalstrategie und die konsequente Integration der verschiedenen Systeme standen dabei weniger im Mittelpunkt. Die Folge sind heute Reibungsverluste zwischen einzelnen Prozessen und Anwendungen.
Das Zielbild ist deshalb klar: Künftig sollen möglichst transparente und papierlose Abläufe entstehen. Maschinen-, Auftrags- und Qualitätsdaten sowie weitere Prozessparameter sollen zentral zusammengeführt werden. Das bestehende ERP-System soll dabei erhalten und schrittweise um Funktionen zur Maschinendatenerfassung ergänzt werden. Perspektivisch sollen auch KI-Algorithmen die erfassten Daten auswerten und beispielsweise Auffälligkeiten frühzeitig erkennen.
Zum Start des Projekts fand ein Workshop zur Problemstellung bei Halbmond statt. Bei einer kurzen Führung durch die Produktion verschaffte sich das Projektteam zunächst einen Überblick über die örtlichen Gegebenheiten und die bestehenden Abläufe. Im Mittelpunkt des Austauschs standen die konkreten Herausforderungen im Unternehmen. Dazu gehört insbesondere die Umstellung auf ein neues Digitaldrucksystem. Gleichzeitig wurde betrachtet, an welchen Stellen die bisher gewachsenen Brücken- und Insellösungen eine durchgängige Digitalisierung erschweren und wo künftig eine stärkere Systemintegration notwendig ist.
Die Erkenntnisse aus dem Auftakt bilden nun die Grundlage für die weitere Arbeit an der Roadmap. Sie soll das KMU dabei unterstützen, die nächsten Schritte nicht isoliert, sondern in einer sinnvollen Reihenfolge und mit Blick auf eine langfristig tragfähige digitale Infrastruktur anzugehen.
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